Bio Bauernhof von Familie Wyss in Beinwil / SO, Schweiz
Ein Wandervorschlag der Schweizer Familie
Beim Nordportal des Passwang Scheiteltunnels nehmen wir den durchgehend gut beschilderten und markierten Weg unter die Füsse. Auf Asphalt führt er uns auf die Krete und hinüber an den Sonnenhang. Vom Aaretal her drängen Nebel durch die Klusen bis ins Guldental, und Nebelwalzen überrollen die weniger hohen Juraketten. Beim Hof auf dem Beibelberg (Beibel = Beinwil) hat der Asphalt ein Ende. Ein Pfad entführt den Wanderer in eine unverdorbene, traumhafte Juralandschaft. Vor uns eine messerscharfe Felsklippe, darunter Weiden mit Baumgruppen und Hagrosenbüschen, deren Hagebutten rot leuchten. Wo sich die Weiden steiler zu Kreten und Kuppen aufschwingen, betonen Viehtritte die dem Gelände folgende Waagrechte. Der Pfad wechselt hinüber auf die Schattenseite, wird sumpfig und glitschig. Säumten vorher Buchen den Weg, sind es nun Weiss- und Rottannen. Gegenüber purer Gegensatz: rotgolden das Laub und silbern die Stämme der Buchen auf einer trockenen und der Sonne zugewendeten Rippe. Der Blick schweift hinüber zu Höfen hoch über dem Tal, die einsam über Felsbändern sitzen. Beim Oberen Chratten wird der Pfad wieder gut, und nach einer Wegbiegung signalisiert eine Fahne die Wirtschaft auf dem Erzberg.
Treicheln, Glocken und Trophäen pferdesportlicher Veranstaltungen schmücken die gemütliche Gaststube. Ein Most begleitet den währschaften «Erzbergerteller» mit Speck, Hauswurst und Hobelkäse. Dem Weidezaun folgend, führt die Route den sanften Südhang der Hohen Winde hinauf. Die von Wühlmäusen aufgestossenen Erdhaufen sind rostrot und weisen auf eisenhaltige Schichten hin. In der Tat hat man einst am Erzberg Bergbau betrieben. Rast und Ausschau halten wir bei der Klubhütte knapp unter der Krete. Über Juraketten und das Mittelland hinweg reicht der Blick bis auf die Voralpen und Alpen. Ein weites Panorama tut sich bei guter Sicht auf. Von deutschen und österreichischen Bergen über die Tössberge zu Säntis, Glärnisch, Tödi, Titlis, Galenstock, Finsteraarhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau und Wildstrubel.
«Vielleicht liegt für Stunden ein Dunst oder Nebel über dem Mittelland.
Dann kommt uns der Alpenkranz vor,
als sei er von der Schöpfung am Himmel hinaufgehängt worden.
Er schwebt als Wunder über der Erde»
(Albin Fringeli).
Wenige Schritte führen durch den Waldsaum zum Triangulationssignal der Hohen Winde. Zu Füssen das Laufental, im Westen Hasenmatt und Chasseral, die Freiberge, dann die Vogesen, der Schwarzwald und im Nordosten der Randen.
Beim Abstieg zur Mittleren Rotmatt folgen immer wieder wechselnde Baumbestände und dann eine locker überwachsene Matte mit übermannshohen säulenförmigen Wacholdern, Stechpalmen, Hagrosen, Föhren, Buchen und Eschen, eine seltene Gesellschaft auf so engem Raum. Das letzte Wegstück ist geteert. Für den kurzen Marsch auf der Passwangstrasse zur nächsten Postautohaltestelle entschädigt die Entdeckung einer Wasseramsel an der Lüssel. Ebenso, passieren wir das Joggenhus des Biobauern Peter Wyss. Ein Blick in den Einkaufsladen lohnt sich. All die schmackhaften Produkte sind dort präsentiert und werden zum Kauf angeboten.
Im Postauto verbringen wir die gut acht Kilometer lange Fahrt zum Nordportal des Passwang Scheiteltunnels. Vor dem Nordportal des Passwang Scheiteltunnels wendet der aus dem Laufental kommende Kurswagen, vor dem Südportal derjenige aus Balsthal. Für den öffentlichen Verkehr ist der Passwang, die Verbindung zwischen den solothurnischen Stammlanden und dem Schwarzbubenland, erstaunlicherweise keine durchgehende Linie.
Orientierung
Blatt 223 Delemont 1: 50 000 der Landestopographie und Wanderkarte Jura, Blatt 2.
An- und Rückreise
Von Laufen fahren Postautos bis zum Nordportal des Passwang Tunnels, von Balsthal zum Südportal. Parkplatz 400 m vom Nordportal.
Marschzeiten
Vom Passwang Tunnel auf die Hohe Winde 2 1/4 Stunden, bis Unterbeinwil total 3 1/2 Stunden.
Ausrüstung
Berg- oder feste Wanderschuhe (Weg streckenweise sumpfig). Verpflegung aus dem Rucksack oder in der Wirtschaft «Erzberg»; Gasthäuser am Passwang und im Tal
Besonderes
Bei Schnee besteigt man die Hohe Winde am besten vom Scheltenpass aus; Marschzeit 1/2 bis 3/4 Stunden.